Städtepartnerschaft Gießen - San Juan del Sur in Nicaragua Unsere Nachbarn vom Pazifik
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Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Gießen / San Juan del Sur und Region in Nicaragua e.V.

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Die sandinistische Regierung und der Contra-Krieg (1979-1990)

Die Sandinisten und ihre Koalitionäre aus dem Bürgertum übernahmen 1979 ein Land, das sich in tiefster Depression befand. Fast sämtliche produktive Aktivitäten waren zum Erliegen gekommen, durch den Krieg waren enorme materielle Schäden entstanden, die öffentlichen Kassen von Somoza geplündert worden. Eine nicht funktionierende öffentliche Verwaltung, eine extrem hohe Außenverschuldung und enorme materielle Schäden mussten behoben werden.

 

Wahlwerbung der FSLN in San Juan del Sur

Die Regierung des nationalen Wiederaufbaus leitete weit reichende sozioökonomische und politische Reformen ein, deren Kernstück die Agrarreform war.

Der Somoza-Besitz, Banken, einige Rohstoffindustrien und das Transportwesen wurden verstaatlicht. In dem sandinistischen Modell der „gemischten Wirtschaft“ blieben jedoch mehr als 60% der Unternehmen in Privatbesitz. Der Landbesitz Somozas ging teilweise in Staatseigentum über, teilweise wurde er im Zuge der Agrarreform an landlose Bauern verteilt. Ca. 70.000 Bauern und 3.820 Kooperativen erhielten eigenes Land.

Neben der Agrarreform hatten Gesundheit, Bildung und der Wohnungsbau einen wichtigen Platz in der Prioritätenliste der sandinistischen Sozialpolitik. Die Kindersterblichkeit wurde von 15% auf 2% gesenkt, Malaria wurde weitgehend eingedämmt und Kinderlähmung durch Impfkampagnen weitgehend besiegt. 1980 wurde in einer breit angelegten Alphabetisierungskampagne die Analphabetenrate von 50% auf 12,5% gesenkt. 90% der Investitionen im Wohnungssektor kamen direkt den unteren Einkommensschichten zugute.

Schon zu Beginn der Umverteilungs- und sozialpolitischen Maßnahmen wurden die unterschiedlichen politischen und ökonomischen Interessen innerhalb der bürgerlich-sandinistischen Koalition deutlich und so kündigten 1980 die bürgerlichen Kräfte ihre wirtschaftliche und politische Kooperation mit den Sandinisten auf: Letztere bestimmten dann bis 1990 das politische Geschehen des Landes9.
 
Neben diesem offenen Bruch der Allianz bestimmte vor allem der antisandinistische Kurs der USA die innenpolitische Entwicklung der Folgejahre. Die Reagan-Regierung machte es sich in den kommenden Jahren zur Aufgabe, das „marxistisch-leninistische“ Nicaragua zu bekämpfen, aus Angst, das sandinistische Modell könne erfolgreich sein und in den Nachbarländern Schule machen. Bereits 1981 begann mit Unterstützung der USA die Wiederbewaffnung versprengter ehemaliger Nationalgardisten in Honduras. 1982 entstand daraus der von den USA initiierte und finanzierte Contra-Krieg, der von massiven Wirtschafts- und Handelsblockaden flankiert wurde.

Auf Grund dieser US-Intervention knüpfte die sandinistische Regierung enge Kontakte zu Kuba und der Sowjetunion. Darüber hinaus entwickelte sich eine breite internationale Solidaritätsbewegung für Nicaragua und gegen die US-Politik.

Das Gesicht des Contra-Krieges zeigt der Film     "Briefe aus Wiwili"

Bernd Koberstein wird in Nicaragua im Juli 1985 von Contras ermordet. Er half bei der Errichtung eines Krankenhauses bei der schon Tonio Pflaum zwei Jahre vorher umgebracht wurde. Die Kommentare des Films sind alle seinen Briefen entnommen und schildern den Alltag und die Gewalt im nach-revolutionären Nicaragua der 1980er Jahre.

1984 fanden die ersten freien Wahlen seit der Somaza-Diktatur statt, aus denen die FSLN mit einer 2/3-Mehrheit als überlegene Siegerin hervorgeht. Der erste demokratisch gewählte Präsident wurde Daniel Ortega Saavedra, Vizepräsident wurde der Schriftsteller Sergio Ramirez. 1987 trat eine neue, gültige Verfassung in Kraft, die die Errungenschaften der Revolution und den politischen Pluralismus festschrieb.

Weder die Unterstützungsmaßnahmen der sozialistischen Länder noch die internationale Solidaritätsbewegung konnten jedoch die Folgen des Contra-Krieges und des Wirtschaftsembargos ausgleichen. Da die Militärausgaben immer mehr anstiegen, musste die sandinistische Regierung ab 1985 die Sozialausgaben nach und nach gesenkt werden. 1988/89 leitete sie ein weiteres Sparprogramm ein. Sie kürzte die öffentlichen Investitionen nochmals, weitere staatliche Subventionen wurden abgeschafft und die Zahl der Beschäftigten im öffentlichen Dienst reduziert.

Am Grab eines Contra Opfers

Mit diesem monetaristischen Sparkurs sollte der Inflation, dem riesigen Außenhandelsdefizit und der Staatsverschuldung begegnet werden. In den folgenden Jahren wurde zeitweilig der Notstand ausgerufen und oppositionelle Medien verboten.

Die Wirtschaftskrise verschlechterte die allgemeinen Lebensbedingungen der Bevölkerung erheblich. Die Arbeitslosenquote erhöhte sich von 20,9% im Jahre 1985 auf ca. 35% im Jahre 1989. Eine Kommission des Internationalen Gerichtshofes in Den Haag, der 1987 die USA auf Zahlung der von ihnen durch den Contra-Krieg verursachten Schäden verurteilte, schätzte die Kriegsschäden auf über 17 Mrd. US$9,13.

In Folge eines 1987 von dem costaricanischen Präsidenten Oscar Arias initiierten Friedenprozesses für Zentralamerika erklärten sich die Sandnisten bereit, 1990 erneut freie Wahlen unter internationaler Beobachtung zuzulassen1,13

Brigadisten im Bergland von Matagalpa

 

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