Städtepartnerschaft Gießen - San Juan del Sur in Nicaragua Unsere Nachbarn vom Pazifik
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Reisen Anno 1850 - auf der Transitroute von San Juan del Sur durch Nicaragua

Seit 1850 war es besonders die sogenannte „Transitroute“, auf der alljährlich viele Zehntausende von Auswandern, Abenteurern und Goldsuchern, darunter viele Deutsche, Nicaragua mit dem Ziel Kalifornien durchquerten. Viele von ihnen blieben in Nicaragua hängen. Cornelius Vanderbilt hatte als billigsten und ungefährlichsten Weg vom Atlantik zum Pazifik die „Nicaragua-Route“ organisiert, die von Greytown als Wasserweg den Rio San Juan und den Nicaragua See benutzte und dann nur noch eine etwa 20 Kilometer breite Landenge von La Virgen bis nach San Juan del Sur zu überwinden hatte.

Es reisten hier so viele Deutsche, dass 1851 die Hansestädte und später Preußen in dem kleinen Atlantikhafen Greytown oder San Juan del Norte ein Vizekonsulat errichteten, dass mit Unterbrechungen bis 1906 bestanden hat. Hier ließen sich vor allem Geschäftsleute wie Wiedemann, Wassmann, Richter, Bergmann u.a. nieder.

 

Entlang der Route fanden sich damals Deutsche als Kaufleute, Hotelwirte, Bootsleute und Arbeiter. Am Ende der Route, auf der Landenge, hatte der Danziger Heinrich Gottel einen Personen- und Gepäcktransport auf Mulis eingerichtet, den er 1856 zu einem regelmäßigen Kutschendienst, den ersten in Nicaragua, ausbaute. 10 Jahre später, am 29. Dezember 1866 verließ ein junger Mann sein Schiff im Hafen von San Juan del Sur, um in umgekehrter Richtung per Kutsche zum Nicaragua-See und dann weiter über den Rio San Juan an den Atlantik zu fahren. Sein Name: Mark Twain, gerade mal 31 Jahre jung, beschreibt in Reisenotizen seine Impressionen: „Wir fanden ein San Juan vor, das aus einigen wenigen baufälligen Gerippen von Holzbuden bestand - sie nannten sich Hotels -, welche in eine grüne Vegetation eingebettet waren und von malerischen Hügeln überragt wurden. Unsere Gruppe von acht Leuten, die wir am Vorabend gebildet hatten, war die erste, die das Schiff verlassen konnte und so die Möglichkeit hatte, die besten Kutschen und Planwagen zu wählen für die 12 Meilen, die wir auf dem Landweg zwischen San Juan und Virgen Bay am Nicaragua See zurücklegen mußten. Unsere 400 Passagiere zu Pferde, auf Eselsrücken und in von vier Mulis gezogenen Planwagen, waren die wildeste, zerlumpteste und wunderlichste Prozession, die ich je gesehen hatte. Sie erinnerte mich an die phantastischen Maskenumzüge, die am 4. Juli im Westen der Staaten abgehalten wurden oder während der Mardigra in New Orleans. Die gesamte Prozession hatte Virgen Bay erreicht (...) und war nun bequem unterbracht auf einem kleinen Dampfer. Wir saßen im Schatten, aßen zu Mittag, rauchten, verglichen Notizen über unseren kleinen heiteren Ausflug über die Landenge, kauften von den Eingeborenen hübsche Spazierstöcke aus Mahagoni und verfielen schließlich wieder in nachdenkliches, gelassenes Blicken auf das sich kräuselnde Wasser des Nicaragua-Sees und auf die zwei majestätischen Berge, die aus seinen blauen Tiefen aufragen und deren grüne Gipfel in Schäfchenwolken eingehüllt sind.“

(Quellen: Fröschle, Die Deutschen in Lateinamerika, Erdmann Verlag 1979 und Weber, Nicaragua, Du Mont 1990)

Im Jahr 1852 wurde San Juan del Sur offiziell mit seinem heutigen Namen bezeichnet und erhielt die gleichen Privilegien wie der Atlantikhafen San Juan del Norte. Zwischen 1855 und 1857 war San Juan del Sur mehrmals Schauplatz von Kämpfen gegen den US-Freibeuter William Walker, der sich 1856 verfassungswidrig zum Staatspräsidenten wählen ließ und 1857 von einer nicaraguanisch-costaricanischen Revolutionsarmee gestürzt wurde.

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Der Hafen des heutigen San Juan del Sur um 1850
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