Städtepartnerschaft Gießen - San Juan del Sur in Nicaragua Unsere Nachbarn vom Pazifik
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Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Gießen / San Juan del Sur und Region in Nicaragua e.V.

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Inhaltsanalyse zum "Ärger in El Paraiso"

Im Planspiel „Ärger in El Paraiso“ geht es um die Auswirkungen des Phänomens Ferntourismus in einem kleinen Ort an der mittelamerikanischen Pazifikküste, der stellvertretend für die so genannte „Dritte Welt“ steht.

Der Ferntourismus ist heute Begleiterscheinung und Schrittmacher der Globalisierung, er ist eine Wachstumsbranche, die mit rund 30% am weltweiten Umsatzvolumen des Tourismus beteiligt ist und dabei direkt oder indirekt 12% des globalen Bruttosozialprodukts (BSP) erwirtschaftet. Nach Erdöl ist Tourismus der zweitgrößte Devisenbringer für die „Dritte Welt“. In diesem Wirtschaftssektor arbeiten weltweit mehr als 70 Millionen Menschen. Der Gesamtumsatz liegt heute bei ca. 4 Billionen US$, 500 Milliarden US$ werden dabei als Devisen verbucht. Dabei gehen 75 % aller Auslandsreisen von den westlichen Industrienationen aus. 2005 wurden rund 4 Milliarden Flugreisen gezählt, 1,8 Milliarden auf internationalen Flugstrecken, ein Plus gegenüber dem Vorjahr von 8%. Für die meisten Menschen in den reicheren Ländern Europas, Nordamerikas, Asiens (Japan und Taiwan), sowie Australiens und Neuseelands sind Ferien und Freizeit erschwinglich geworden (für jeden 6. Erdbewohner).  Hier geht es zunächst um die lokalen Auswirkungen des Ferntourismus am Beispiel des Küstenortes „El Paraiso“. Entscheidend in der Auseinandersetzung mit dem Thema des (Fern-) Tourismus ist die Erkenntnis, dass dieser nicht per se gut oder schlecht ist – vielmehr erfordert die Bearbeitung des Themas eine differenzierte Sichtweise, die der Ambivalenz gerecht wird, bevor ein Urteil gefällt wird. Letztendlich entscheidet der Einzelne, wie viele Reisen, welche Art von Reisen er wohin zu verantworten können glaubt. Die Wirkungsanalyse soll die Komplexität, Ambivalenz und globale Problematik des Ferntourismus aufzeigen.

1. Ökonomische Auswirkungen

Die Deviseneinnahmen aus den Zahlungen der Touristen sind das gewichtigste Argument für den Ferntourismus. Vergessen wird dabei oft, dass der Nord–Süd–Tourismus für die Zielländer auch deutliche Devisenabflüsse bedeutet, wenn Luxuskonsumgüter importiert werden müssen oder Zinsen für Auslandskredite bezahlt werden müssen. Tourismus schafft Arbeitsplätze – ein weiteres Argument für die Förderung von Tourismus als Wirtschaftszweig. Pro Hotelbett werden 1,5 – 2,5 Arbeitsplätze gerechnet, noch mehr Arbeitsplätze entstehen in vorgelagerten Sektoren wie dem lokalen Transportwesen, der Gastronomie oder dem Kunsthandwerk.

Oft aber wandern qualifizierte Arbeitskräfte in die Tourismusbranche ab, da hier die Verdienstmöglichkeiten als gut eingestuft werden. Unqualifizierte Arbeitskräfte sind meist schlecht bezahlte Saisonarbeiter und -arbeiterinnen (2/3 aller hier Beschäftigten sind Frauen). Tourismus kann zur infrastrukturellen Erschließung einer Region beitragen. Innerhalb des Ziellandes wird aber ein bestehendes Ungleichgewicht durch die staatliche Förderung touristischer hot spots noch verstärkt, was das Ausbleiben von Investitionen in touristisch weniger interessanten Regionen zur Folge hat. Oftmals profitiert noch nicht einmal die lokale Bevölkerung von den Infrastrukturmaßnahmen, sondern lediglich die Touristenghettos. Die touristischen Bedürfnisse stehen im Mittelpunkt.

2. Soziokulturelle und politische Auswirkungen

Die zwangsläufige, oft auch gewünschte Begegnung der Kulturen von Reisenden und Bereisten kann, auf beiden Seiten, zu einer Infragestellung traditioneller Leitbilder und Rollen führen. In den Zielländern ist jedoch eine zunehmende Ausrichtung auf westliche Konsummuster und Lebensvorstellungen feststellbar, wobei sich die Bereisten oft ihrer ökonomischen Benachteiligung bewusst werden, was Minderwertigkeits- gefühle gegenüber den Bereisten verstärken kann. Der Kulturkontakt könnte mit dem Kennen lernen anderer Lebenswelten und Vorstellungen verbunden sein. In den meisten Fällen findet jedoch keine Verständigung statt, vorhandene Bilder und Stereotype werden bestätigt, der Reisende hat das Geld, der Bereiste tritt als Servicekraft in Erscheinung. Reisen in diktatorische Regimes kann eine stärkere öffentliche Kontrolle der politischen Zustände im Land bedeuten, andererseits bedeutet es aber auch die Unterstützung des Regimes.

3. Ökologische Auswirkungen

Durch den Tourismus werden neue Gebiete erschlossen und wirtschaftlich nutzbar gemacht. Sehr oft stellen sich touristische Projekte als Fremdkörper in der Landschaft dar, wobei die Interessen der ansässigen Bevölkerung oft ignoriert werden. Hotelbauten führen zu Flächenversiegelung, Naturschutzräume werden übernutzt und langfristig zerstört. Mehr Menschen in einer Region erfordert mehr Wasser, wobei der Bedarf der Reisenden oft deutlich höher als der der Bereisten ist.

Idealerweise wird das Trink- und Abwassersystem im Zuge der touristischen Erschließung für die Bewohner verbessert, heute ist jedoch vielerorts eine Übernutzung der Wasservorräte für Hotels, Pools und Golfplätze feststellbar, was zu einem weiteren Absinken des Grundwasserspiegels führt. Die Nachfrage der Touristen für Luxusgüter bedeutet mehr Transportemissionen und zusätzliches Müllaufkommen. Der Ferntourismus ist auf das Flugzeug angewiesen. Die Abgase aus dem Luftverkehr belasten in erheblichem Maße das Weltklima und tragen zum Treibhauseffekt bei, der sich wiederum in Küstenregionen langfristig durch ein Ansteigen der Meerespegel bemerkbar machen wird.

Literatur zur Sachanalyse

  • Le Monde Diplomatique (Hg.) Atlas der Globalisierung, 2003
  • Der Fischer Weltalmanach 2006, Frankfurt 2005
  • Nuscheler, F. Lern- und Arbeitsbuch Entwicklungspolitik, Bonn 2004
  • Welthaus Bielefeld (Hg.), Atlas der Weltverwicklungen, Wuppertal 2001   

                                                                                                              

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