Städtepartnerschaft Gießen - San Juan del Sur in Nicaragua Unsere Nachbarn vom Pazifik
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Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Gießen / San Juan del Sur und Region in Nicaragua e.V.

Achstattring 30
35396 Gießen

Beschreibung der Problemsituation in El Paraiso (Fallstudie)
 
Gleichmäßig schlagen die sanften Wellen des Pazifischen Ozeans an die weiten Sandstrände im Süden des kleinen mittelamerikanischen Staates „Panduragua“. Die Sonne scheint bei herrlichen 30° C Lufttemperatur. Pelikane gleiten majestätisch zwischen Wellenhügeln hindurch und kleine Fischerboote ankern in der halbmond-förmigen Bucht. Doch es gibt Ärger im vermeintlichen Paradies und bald schon könnte es in dem kleinen Fischerort „El Paraiso“ mit seinen 10.000 Bewohnern mit der Ruhe vorbei sein. Ein kleiner Artikel in der landesweit angesehenen Tageszeitung „Panduragua News“ ist der Grund dafür, das jetzt auf dem Markt, an den Straßenecken und in den Strandkneipen nur noch eine Frage diskutiert wird: Kommt die geplante Luxus-Hotelanlage wirklich in unsere Stadt? Wie wird es dann hier aussehen und was werden wir überhaupt davon haben?

Der europäische Touristikkonzern „Tourinternational“ (TIN) plant in der Bucht von El Paraiso ein 120 Millionen Euro teures Tourismusprojekt mit einer 300 Betten all-inclusive Hotelanlage der gehobenen Klasse mit der größten Swimmingpoolanlage Mittelamerikas. Neben einem „open air fitnessparcour“, einer Wellnessabteilung mit Beautyfarm sind ein Yachthafen und ein Golfplatz im Hinterland in Planung. Eine konzerneigene Landebahn soll die gut betuchten Besucher aus den USA, Kanada und Europa bequem per Jet oder Hubschrauber von der Hauptstadt nach El Paraiso bringen.

Die Zentralregierung Panduraguas begrüßt die Pläne der TIN und erhofft sich Devisen für das krisengeschüttelte Land, wirtschaftliche Impulse für die von Arbeitslosigkeit gebeutelte Region im Süden des Landes und internationalen Imagegewinn für das „Saint Tropez“ Mittelamerikas.

In wirtschaftlicher Hinsicht ist El Paraiso längst kein Paradies mehr: Ende der 80er Jahre musste die örtliche Fischfabrik ihre Tore schließen. Die Fangquoten waren aufgrund der überalterten Methoden und der Überfischung küstennaher Gewässer zu gering, um im internationalen Wettbewerb konkurrieren zu können. 500 Arbeitsplätze gingen damals verloren. Die kleine Hafenanlage wurde mit dem Bau eines Containerhafens im Norden des Landes wirtschaftlich bedeutungslos. In den Sommermonaten von Dezember bis März legen zwar ein paar Kreuzfahrtschiffe in der Bucht an, die Passagiere verbleiben jedoch nicht in der Hafenstadt, sondern steigen nach Ankunft in El Paraiso direkt in vollklimatisierte Luxusreisebusse um und fahren zu den Touristenattraktionen im Norden des Landes.

Trotz einer Arbeitslosenquote von über 50% verhungert bislang niemand, denn mit der Angelschnur kann in Paraiso bereits jedes Kind umgehen. Eine bescheidene Subsistenzlandwirtschaft vervollständigt den Speiseplan mit Mais, Bohnen, Eiern etc. Auf der Strecke bleibt oftmals der Schulbesuch der Kinder. Sie müssen mit anpacken, damit die Familien überleben können. Gesund sein ist in El Paraiso Luxus; Arztbesuch und Medikamente müssen selbst bezahlt werden. 30% der Kinder gelten mittlerweile als mangel- oder unterernährt.

Die Meinungen zum geplanten Tourismusprojekt gehen bei den Bewohnern und Bewohnerinnen der Kleinstadt weit auseinander. Einige begrüßen das Vorhaben in der Hoffnung auf einen Arbeitsplatz und den dringend notwendigen wirtschaftlichen Aufschwung in El Paraiso. Die Kinder könnten wieder zur Schule geschickt werden und die Schulden bei der Bank zurückgezahlt werden. Der Kontakt zu den reichen Ausländern könnte die eine oder andere Geschäftsidee hervorbringen, Trinkgelder für Dienstleistungen wären jedenfalls wahrscheinlich. El Paraiso würde endlich aus seinem Dornröschenschlaf erwachen und mehr einheimische Besucher in den Ort locken. Andere befürchten den touristischen Ausverkauf der Stadt: vor traumhafter Kulisse ließen sich die reichen Touristen lediglich von den Einheimischen bedienen. Das große Geld würde nur die TIN machen. Einige Mütter befürchten, dass ihre Sprösslinge anstatt in die Schule zu gehen versucht sein könnten, Geschäfte mit den Besuchern zu machen. Die Angst vor einer Zunahme von Prostitution und Drogenhandel ist nicht ganz unbegründet. Die eigene, Jahrhunderte alte Kultur würde immer mehr einer international orientierten Konsummentalität weichen.

Eine lokale Umweltschutzorganisation befürchtet die massive Zerstörung von Natur und Landschaft und eine Verknappung des kostbaren Trinkwassers. Ebenso sieht sie die Abwasser- und Müllproblematik ungeklärt. Durch die erwarteten Besuchermassen betrachtet der Umweltverband die beiden nahe gelegenen Schutzgebiete mit tropischem Trockenwald und den Schildkrötenstrand als gefährdet, da die staatlichen Regelungen für solch einen Andrang nicht ausreichen und gegen Zahlung entsprechend hoher Summen unterlaufen werden könnten.

Mittlerweile ist durchgesickert, dass für den Bau der Anlage in El Paraiso fünf Gemeinde- und zwanzig Privatgrundstücke an die TIN verkauft werden müssten. Die Bewohner und Bewohnerinnen würden zur Umsiedlung genötigt; wohin, ist noch völlig unklar. Ebenfalls wurde bekannt, dass sich die Gemeinde an den Erschließungskosten für die Bauvorhaben beteiligen müsste, was eine weitere Verschuldung der Kommune zur Folge hätte.

Der Unmut in der Bevölkerung wächst von Tag zu Tag. Der Bürgermeister sieht kurz vor der Kommunalwahl seine Felle davonschwimmen, wenn die Stimmung gegen das Projekt weiter angeheizt wird. Er lädt deshalb Beteiligte und Betroffene zu einer Bürgerversammlung ins Gemeindehaus ein. Hier sollen besorgte Bürger/innen ihre Meinung kundtun und Vertreter/innen der TIN den aktuellen Sachstand erläutern. Schließlich geht es um die Zukunft von El Paraiso. Was also soll und kann geschehen? Für diese Frage interessiert sich auch der Journalist der angesehenen Tageszeitung „Prensa Panduragua“, die über die weiteren Entwicklungen in El Paraiso berichten möchte.

Das Planspiel wird zeigen, wie es mit der Stadt weitergehen wird. Wie das Spiel funktioniert und welche Rollen ihr übernehmen könnt, seht ihr anhand von Spielplan, Arbeits-, Material- und Rollenkarten, die ihr gleich ausgeteilt bekommt. Viel Spaß und Erfolg beim Planen, Argumentieren und Verhandeln!

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